Review: hateful-metal.de Link
Waldesland ist eine Kompilation unterschiedlicher Untergrundgruppen,
verteilt über den gesamten Globus. So unterschiedlich die Herkunft ist, so
unterschiedlich sind auch die musikalischen Darbietungen im Einzelnen. Bis auf
das erste Lied Winterreise von Myrkrith enthält das
Waldesland ausschließlich Black Metal in verschiedenen
Ausführungen.
Die anfängliche Winterreise ist ein reines Pianostück mit knapp
achteinhalb Minuten Länge. Obwohl ich nicht ein Freund solcher Klänge bin, kann
ich dem Titel seine Atmosphäre und einen guten, kraftvollen Mittelteil nicht
absprechen. Auf diesen beschaulichen Anfang folgt Skilfingar
mit dem flotten und melodischen Muspelsheimr. Schnell und nordisch
spielt die aus Chemnitz kommende Gruppe, gern auch mit Keyboard - was mich an
norwegische Gruppen, vor allem Emperor, erinnert. Übertrieben
wird es mit dem Sinfonischen allerdings nicht, und da das Tempo hoch und die
Riffs gleichfalls rasen, weiß Muspelsheimr zu gefallen.
Schnell geht es
mit Botritis Cinerea aus Berlin weiter. The Burning Slave
Mark ist ein kurzes und aggressives Lied mit stark verzerrtem und keifendem
Gesang. Vor allem das wütende Schreien des Sängers sorgt für die Aggressivität
des Liedes, spielerisch wirkt es noch etwas abgehackt, vor allem das Schlagzeug
ist noch nicht am Ende des Möglichen. Roh, grell und laut schreitet die
Dechristianisierung Europas voran. Beheimatet ist das
Soloprojekt in Österreich und bietet rohen Black Metal, der durch die grelle
Gitarre und den lauten und sehr bissigen Kreischgesang auffällt. Rhythmisch ist
es ein einfaches und am Computer programmiertes Lied, in dem vor allem die
Gitarre sowie der Gesang für eine rohe, eindringliche Atmosphäre sorgt. Nach den
drei eher aggressiv aufgeladenen Stücken sorgt die Seelenwanderung von
Faulen für etwas Entspannung. Seelenwanderung ist ein
langsames, ruhiges Lied mit krächzendem Gesang und einer depressiven, tristen
und trostlosen Spielart. Es dauert fast sieben Minuten und beinhaltet außer der
krächzenden Stimme und der Klargitarre nur wenig.
Die ukrainische
Tonträgerproduktionsanstalt Moloch ist hier mit einem Black
Metal Lied vertreten. Die Ambientsachen von Moloch haben mir
nie gefallen, weshalb ich über Ein düsterer Winter kommt II sehr froh
bin. Das Lied ist schleppend, die Gitarren flimmern grell und eine leise sowie
ruhig sprechende Stimme, die irgendwann ins Verzerrte übergeht, ist zu hören.
Ist insgesamt sehr eingängig und monoton, gefällt mir aber gut, da ich den Klang
sowie die Spielweise der Gitarre sehr mag.
Heldenblut von
Valcyrion geht da in eine gänzlich andere Richtung. Hier
bekommt man über sechs Minuten lang dunkelatmosphärischen und sauber
produzierten Black Metal mit viel Keyboardeinsatz zu hören. Teilweise sehr
sinfonisch, teilweise mit einigen Death Metal Riffs und stets melodisch, ist
nicht mein Ding.
Düster spielt auch das Soloprojekt
Wulfgar. Allerdings viel roher und grimmiger als
Valcyrion, auch wenn Wulfgar auf punktuellen
Keyboardgebrauch setzt. Teilweise ist das Lied sehr schroff und grimmig, vor
allem in den schnellen und eingängigen Passagen. Das ausschlaggebende Merkmal
von Wulfgar ist jedoch der Gesang, sofern man überhaupt von
Gesang sprechen kann. Es ist eigentlich ein kratziges, knurriges und morbides
Sprechen. Manchmal nervt es mich unendlich, an anderen Stellen ist es aber
passend. Irgendwie ein seltsames Lied.
Als eher traditionell erweist sich
In Dorso Corvi Divini von Garden of Grief aus
Österreich. Es ist ein atmosphärisches Lied mit grellen, leicht melodischen
Gitarren, deren Riffs mich ab und zu ein wenig an Rasluka I und
II sowie Geliebte des Regens von Nargaroth
erinnern. Für ein Soloprojekt ist die Umsetzung sehr gelungen und stimmig, dazu
passt auch der Kreischgesang, der in Richtung DSBM geht.
Wer sich für
Ketelens' Brukke interessiert, soll bitte die ausführliche
Rezension des Albums lesen. Unheilig zu Staub und Asche
verbrennend ist jedenfalls ein gutes Lied mit erstklassigem Gesang.
Gods of Germania kommt aus Argentinien und hat mit dem fast
neun Minuten langen Emen ein rohes aber keyboardgeschwängertes Lied
beigetragen. Der Klang ist dünn, vor allem das Schlagwerk verschwindet hinter
einem Wall aus Keyboard. Die flirrenden Gitarren sind phasenweise ebenfalls kaum
zu hören. Mir gefällt es nicht so richtig, auch wenn Emen manchmal in
der Tat etwas böse wirkt, ob das aber Absicht ist oder einfach nur dem
klanglichen Unvermögen geschuldet ist, bleibt ungeklärt.
Klanglich
gleichfalls roh ist Todestrieb von Winterblood. Obwohl
Todestrieb rein musikalisch mittelschnell gelagert ist und die
Saiteninstrumente betont melodisch bleiben, ist es ein wüstes und energisches
Lied. Dies liegt am sehr extremen Kreischgesang, der manchmal nur noch aus
verzerrtem Geräusch besteht und nicht mehr als ein vom Menschen hervorgebrachter
Laut zu identifizieren ist, gefällt mir verdammt gut! Ich mag so krankes Zeug,
zumal mir auch die Saiteninstrumente gefallen.
Abschließend gibt es von den
Russen Lycanthropy das Ashen Light Cover
In Compassion to the Outcast. Die Originalversion kenne ich nicht, aber
Lycanthropys Interpretation ist melodisch und dunkelharmonisch
sowie roh und wüst. Raserei wechselt sich ab mit melodischen Passagen und auch
stimmlich variiert man mit verzerrtem Gesang und sprechender Stimme.
Wie es sich für eine Kompilation gehört, bietet Waldesland eine
bunte und interessante Mischung. Mir hat zwar nicht alles gefallen, aber einen
echten Reinfall beinhaltet Waldesland nicht. Stattdessen habe ich sogar
die eine und andere Band kennengelernt, die ich weiter verfolgen werde.
Herausragend und am interessantesten finde ich Botritis
Cinerea, Moloch, Garden of Grief,
Ketelens' Brukke sowie Winterblood. Wer auf
der Suche nach rohem Untergrund Black Metal ist, wird sich von
Waldesland ganz sicher inspirieren lassen können!
Aceust